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1972-80 Deutschland, Island, Österreich

dieter roth

1972

Berlin, Braunschweig, Düsseldorf, London, Reykjavík, Stuttgart, Wien, Zürich
Die Wanderausstellung Grafik und Bücher (1. Teil) beginnt. Übersetzen von Texten in Bilder (in Scheisse, Gesammelte Werke, Bd. 13). „Der unterbrochene Schwung der Tiefenschau“. „(Perspektive), in den Berliner Motiven (Straßenfotos)“ (vgl. Ausst.-Kat. Welt aus Sprache, Akademie der Künste, Berlin). Erster „Berliner Dichter Workshop“ mit Achleitner, Brus, Rühm, Wiener. Roth initiiert gemeinsame Bühnenauftritte mit den Wiener Künstlern. Die erste „Bestellzettelausstellung“ findet bei Kurt Kalb in der Galerie Grünangergasse in Wien statt. Auf sogenannten Bestellzetteln können Interessenten aus einem Angebot von 31 Graphiken und einem Objekt auswählen, die Roth dann gemäß Anfrage herstellen läßt. Die zweite Ausstellung dieser Art, Kuchenangebote, findet in Spoerris Eat Art Galerie in Düsseldorf statt. Die ausgewählten Objekte kann der Käufer anschließend bei einem Bäcker seiner Wahl anfertigen lassen. Roths Kunst erreicht einen hohen Bekanntheitsgrad. Er mietet neben Düsseldorf Wohnungen bzw. Ateliers in Wien und in Stuttgart. Nach der Produktion der Piccadilly-Mappe mit Peter Haas, Zusammenarbeit mit dem Drucker Frank Kicherer in Stuttgart. Der Schablonendruck Am Meer, von hinten entsteht als Jahresgabe für den Verein für junge Kunst, Baden-Baden.

1973

dieter roth

Berlin, Düsseldorf, London, Reykjavík, Stuttgart, Zug
Roth beginnt mit seiner ersten Sammlung Flachen Abfalls, d.h. er sammelt sämtlichen an einem Tag anfallenden Abfall, der nicht dicker als etwa ein Zentimeter ist, in Klarsichthüllen, die er in Ordnern abheftet. Diese erste Sammlung umfasst ca. 380 Aktenordner, die zweite, die er 1976 zusammen mit Herbert Hossmann beginnt, wird auf ca. 780 Ordner anwachsen. Es entstehen Lichtdrucke, wie z. B. Big Tardt For Richard, zusammen mit dem Stuttgarter Drucker Eberhard Schreiber sowie der Siebdruck Stefan’s Blues mit Frank Kicherer. Kurzzeitige Zusammenarbeit mit dem Drucker Thomas Rubbel. Er gründet mit dem befreundeten Hamburger Rechtsanwalt Philipp Buse die Dieter Roth Pictures, mit Sitz im schweizerischen Zug und die Hotelkunst AG („Produktion von Grafik in vom Hotelier gewünschten Stil“). Selten gehörte Musik: erste Aufnahmen mit Gerhard Rühm und Oswald Wiener, Die Novembersymphonie. Ab 1974 gibt Roth die Mitschnitte der insgesamt sieben Konzerte dieser Reihe als Schallplatten in seinem Verlag heraus.

1974

dieter roth

Berlin, Braunschweig, Hamburg, Hellnar, Luzern, München, Reykjavík, Stuttgart, Watford, Wien, Zürich, Zug
„Auftauchen des ‚Scheisse’-Stils in den Bildern“. „erstes, fast perfektes ‚Scheisse’-Gedicht“. Selten gehörte Musik, das erste Münchner Konzert mit Brus, Nitsch, Rühm und Wiener; „Versuch, das Erlebte als EGO zu schildern (Tagebuch ohne Namen)“. Roth schreibt ein nur aus dem Wort “Murmel” bestehendes Bühnenstück. „Versuche, die Wirkung der Bilder mit den Titeln zu ändern oder aufzuheben“. Uwe M. Schneede richtet im Hamburger Kunstverein die erste repräsentative Retrospektive Dieter Roths bis 1974 aus. Entwürfe für Weinflaschenetiketten u.a. für Langenbacher & Wankmiller in Luzern. Gründung des Dieter Roth’s Familienverlag, der 1978 in Dieter Roth’s Verlag umbenannt wird. Neben eigenen Büchern verlegt Roth Werke von Familienmitgliedern und Freunden. Es entstehen „traditionell gemalte Ölbilder“. Selten gehörte Musik, das Berliner Konzert mit Attersee, Brus, Nitsch, Rainer, Rühm, Steiger und Wiener. Arbeit mit Arnulf Rainer (Fotos, Zeichnungen, Malereien). „Steigern der Wirtshaustisch Manschereien“. Die erste Bastelnovelle erscheint.

1975

dieter roth signiert

Berlin, Braunschweig, Diessen, Hamburg, Hellnar, Karlsruhe, London, Luzern, Mosfellssveit, Prinzendorf, Stuttgart, Vornbach, Watford, Wien, Zürich, Zug
Vera und Björn Roth beteiligen sich zunehmend an den Werken ihres Vaters. „Konzert für Brus, 4 Mann auf 5 Flügeln, im Schloß Prinzendorf mit Nitsch, Rühm, Wiener“. „‘Scheisse’-Musik (Klavier)”. Roth gründet die Zeitschrift für Alles, deren Name Programm ist: Beiträge in Form von Texten, Collagen, Zeichnungen,etc. werden inhaltlich und auch formal unverändert abgedruckt. Die Ausgaben 1-3 verlegt Roth zusammen mit Hansjörg Mayer, bei den nachfolgenden wird er durch Paul Gredinger von der Werbeagentur GGK in Basel unterstützt. Die redaktionelle Arbeit übernimmt seit Mitte der 80er Jahre Barbara Wien. Die Zeitschrift wird 1987, nach Erscheinen der zehnten Ausgabe, die 1396 Seiten in zwei Bänden umfaßt, eingestellt.
Es entstehen erste Video-Arbeiten und die Ratio Briefe zusammen mit Arnulf Rainer. Ausstellung bei Kurt Kalb in Wien: Dieter Rot zeigt „Zeichnungen aus Müdigkeit“, „liebliche Zeichnungen“, „Gesprächszeichnungen mit Sprechblasen“, „instabile Zeichnungen“. Selten gehörte Musik, Konzert an der Akademie Karlsruhe mit Brus, Nitsch, Wiener und dem Romenthal Quartett mit Brus, Nitsch, Wiener. „Steigerung der Scheiße und Kacke“.
Buchproduktion bei Rainer Pretzell, Berlin und Dr.Cantz in Stuttgart. Arbeit mit Jan Voss an der Mickermappe. Ausstellung der ersten Gemeinschaftsarbeit mit Ingrid Wiener: der Gobelin Bertorelli B in Hamburg. In Kollaboration mit Ingrid Wiener entstehen in den 80er und 90er Jahren weitere Teppiche.

1976

dieter roth

Akureyri, Barcelona, Braunschweig, Cadaqués, Diessen, Hamburg, Hellnar, London, Mosfellssveit, Stuttgart, Vornbach, Watford, Wien, Zug.
Die Ausstellung Collaborations mit Richard Hamilton in der Galeria Cadaqués beginnt. Jedes Bild der Ausstellung erhält je ein gemaltes oder gezeichnetes Zertifikat sowie je ein kleines Bild mit Wurstmotiven oder Ähnlichem zugeordnet, das, unterhalb der großformatigen Werke gehängt, den Hunden zugedacht ist. Mit Richard Hamilton und dem Hund Chispas Luis entsteht die Schallplatte Canciones de Cadaqués.
Roth stellt, zusammen mit Franz Eggenschwiler und Alfonso Hüppi, Telefon-Zeichnungen aus. „Gespräche als Lieder mit Oswald Wiener“: Tote Rennen. „Steigern der Selbstporträt Aktivitäten“; „Zeichnen zum Kater überwinden“. Roth beginnt mit der zweiten Sammlung Flachen Abfalls. „Drei Geschichten und ein Schauspiel, gemacht aus den Titeln der Collaborations“: In a deserted Landscape, A little Hotel by the Sea, In a little Hotel by the deserted Sea – a Landscape und Die grosse Bockwurst (vgl. Collaborations of Ch. Rotham, 1977)

1977

Barcelona, Basel, Cadaqués, Chicago, Hamburg, Hellnar, London, Madrid, Mosfellssveit, Prinzendorf, Reykjavík, Stuttgart, Wien, Zug
Die ersten Schnellzeichnungen, die Speedy-Drawings, fertigt er während einer Ausstellung bei Felix Handschin in Basel an. Dazu zeichnet Roth mit beiden Händen zugleich, wobei spiegelsymmetrische Kompositionen entstehen. Das Quadrupel Konzert findet, auf Einladung von Friedhelm Döhl, an der Musikakademie Basel statt. Roth bedient sich bei diesem Solo verschiedener Instrumente wie Horn, Flügel und Orgel. Dazwischen redet er mit dem Aufnahmeleiter und trinkt. Die dabei entstandenen Mitschnitte spielt er anschließend ab, während er ein weiteres Solo vorführt, das wiederum aufgenommen wird. „Beginn der Konstruktion des Telex Musik Alfabetes (von 1965) mit Hansruedi Voser“.
Zusammen mit Björn und Karl Roth entstehen Aufnahmen in einem Tierheim am Monte Tibidabo in Barcelona. Die 24 Tonkassetten mit insgesamt 24 Stunden Hundegebell werden mit der Galeria Cadaqués als Kassetten-Edition Tibidabo-24 Stunden Hundegebell herausgegeben. Eine Vorführung mit Aufnahme der Galerie-Geräusche findet in Madrid statt. Die Radio Sonate, in der Roth am Klavier auftritt, wird live im Südwestfunk Stuttgart gesendet („45 Minuten Klavier Improvisation in steigender Betrunkenheit“).
Roth beginnt zusammen mit Björn und Vera Roth mit den Aufnahmen zur Lorelei, die Langstreckensonate. Dazu werden 40 Stunden Klaviermusik zusammen mit gleichzeitigen Radioaufnahmen diverser Stationen von einem präparierten Kassettenrecorder abgespielt. Beginn der Arbeit am Wandbild bei Ira Wool in Chicago „im Neo-Buddhistischen Stil“. In der Carl Solway Gallery in New York stellen Roth und Hamilton erstmals ihre Interfaces vor, Porträts der Künstler in verschiedenen Techniken. Lesung der Collaborations-Texte im Gemeentemuseum Den Haag zusammen mit Richard Hamilton sowie Lesung des Hamilton-Roth-Schauspiels in London (25 Personen) für Audio Arts. „Gleichzeitig Zeichnen (und Auswischen der Zeichnungen) auf einer Tafel, mit Björn Roth“. „Beginn des Familien-Multiple-Riesen-Porträts der Familie Klein in Stuttgart“. Roth nimmt mit Zeichnungen an der documenta 7 in Kassel teil.

1978

Basel, Chicago, Hamburg, London, Mosfellssveit, München, New York, Prinzendorf, Reykjavík, St. Gallen, Stuttgart, Ulm, Wien, Zug
„Weiterführen der Galeriegeräusch-Hundegebell-Aufnahmen (mit 1000 Hundefotos und 2000 Hundeselbst Zeichnungen) bei Felix Handschin“. Die Schallplatte Roth & Rainer Misch- u. Trennkunst: Autonom-dialogische Thematik entsteht während einer Mal-Session mit Arnulf Rainer. Selten gehörte Musik, das 2. Münchner Konzert mit Attersee, Cibulka, Hossmann, Mayer, Nitsch, Renner, Björn Roth, Rühm, Schwarz, Thomkins und Wiener. „Publikationen in Xerox Technik“ (150 Speedy Drawings). Zusammenarbeit mit Edition Lebeer-Hossmann. „Bilder mit Ton und Filmen“; „Bar-Bilder (zum Flaschendraufstellen)“ Roth beginnt in Stuttgart mit der Arbeit an der Installation BAR 0. „Ausführung von Skulpturen nach flüchtigen, verschwommenen Schnellzeichnungen (mit Vera und Björn Roth)“; „Schnellstzeichnungen“; Fortsetzen der Arbeiten am Chicago Wandbild zusammen mit Björn Roth („Einbau von Lautsprechern für die Stimmen der dargestellten Wesen“). „Beschreibung eines leeren Bildes, aus einem Lautsprecher in der Mitte des Bildes kommend“; „Bunte Musikbilder bei Felix Handschin in Basel“; „Krieg mit dem Ulmer Museum“.

1979

Bielefeld, Braunschweig, Düsseldorf, Hamburg, Kopenhagen, London, Mosfellssveit, München, Prinzendorf, Reykjavík, Wien, Zürich, Stuttgart
Beim „Versuch zu zeigen, daß Affen nicht malen wollen“, handelt es sich um eine während der Wiener Graphik-Biennale zusammen mit Arnulf Rainer abgehaltene Performance, bei der die Künstler mit zwei Affen eine Malsession abhalten. Geräusche und Gespräche der Malaktion werden als Video herausgebracht. „Treten in ein Fettnäpfchen von Beuys in Wien“. Selten gehörte Musik, das Hamburger Tastenkonzert mit Attersee, Hamilton, Nitsch, Rühm, Thomkins, Wiener. „Hamburger Ballett, Tanzen für einen Film von Peter Schönherr nach Musik von Beatrice Cordua“, (bei Hansjörg Mayer verlegter Film). „Beginn des Fernquartetts (die Spieler spielen, einander fern, je ein Instrument) aus Kassettenaufnahmen, mit Vera, Björn und Karl Roth“. Jeder nimmt sein Spiel: Vera (Violine), Karl (Alto), Björn (Violoncello) und Dieter Roth (Klavier) über 12 Stunden auf Tonband auf. Roth unterrichtet an der Münchner Akademie („Alkoholische Miniaturen“) sowie, auf Einladung von Magnús Pálsson, an der Kunstschule Reykjavík. Jedoch muß er diese Stelle bereits nach zehn Tagen wieder aufgeben.
Vorbereitung der zweiten Wanderausstellung der Grafik und Bücher u.a.m. aus den Jahren 1971-79 mit Hansjörg Mayer, die vom 1.9.-21.10.79 in der Staatsgalerie Stuttgart gezeigt wird. Die in Roths Stuttgarter Wohnung ab ca. 1974 begonnene Objektassemblage Große Tischruine wird in der Ausstellung aufgebaut und dabei von 3 auf 6 Meter vergrößert. Die Große Tischruine wandert danach nach Amsterdam und Zürich und von dort nach Berlin in die Galerie Onnasch. Die Arbeit erfährt bei jedem neuerlichen Aufbau eine Erweiterung und wird nach einer Installation in Wien bei Kurt Kalb 1986 von Oskar Schmid erworben. Stark vergrößert wird sie danach im Palais Kinsky, 1990 schließlich nochmals modifiziert und erweitert im Palais Harrach aufgestellt. Dann ist sie 1995 in der Wiener Secession sowie 1997 in Marseille zu sehen, um zuletzt, angewachsen auf 12 Meter Länge, 1999/2000 auf der Jahrhundertausstellung in Berlin gezeigt zu werden. Es entstehen weitere Serien von Schnellzeichnungen, die 2-Handed Speedy-Drawings, die in den Büchern Trophies (1979), Bats (1981) und Dogs (1981) veröffentlicht werden. Ende der 70er Jahre beginnen Björn und Dieter Roth mit teilweise stillebenartigen Blumenbildern, wobei ihnen als Malgrund mit Blumen bedruckte Stoffe dienen, die sie überarbeiten.

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