1960-1964 Island

1960
Arbeit in Ragnar Kjartanssons Keramikwerkstatt. Es entstehen Bücher aus Unikaten („mit nur einer druckform hergestellt“), Fotogramme und Rasterbilder. Beiträge zu den Zeitschriften Konkrete Poesie und nota. Juli: Roths erste Einzelausstellung in der Galerie von Arthur Köpcke in Kopenhagen präsentiert seine Künstlerbücher. August: Basel; Arbeit in der Werbeagentur von Karl Gerstner und Markus Kutter. Publikation eines Buches von Paul Talman. Roth trifft Emmett Williams und Jean Tinguely. November: Paris, Teilnahme am Festival d’Art d’ Avantgarde („kinetische bilder und filmprojektionen auf sich bewegende spiegel“). Roth trifft Robert Filliou. Dezember: Preis der William und Norma Copley Stiftung. Die Jury besteht aus: William Copley, Marcel Duchamp, Max Ernst, Herbert Read und Richard Hamilton.
1961
Reykjavík
Gründung des Möbelhauses Kùlan in Reykjavík zusammen mit Magnus Pálsson und Manfred Vilhjalmsson, „modellbau (mit magnús pálsson)“. Arbeit am Buch für die Copley Stiftung per Korrespondenz mit Richard Hamilton. Collagen aus fremden zerschnittenen Texten entstehen. Roth entfernt sich durch den Einfluß der Nouveaux Realistes, insbesondere Tinguelys, immer mehr vom Konstruktivismus. Er entwirft ein manuskript mit löchern. März: Amsterdam. Für die Ausstellung Bewogen, Beweging gestaltet er ein durchlochtes Plakat. Bücher aus Makulatur und Tageszeitungen. Für die Literaturwurst verwendet Roth kleingehäckselte Romane von Schriftstellern, und verarbeitet diese zusammen mit Gewürzen und Fett in Wurstdärmen. Abschied von der Konkreten Poesie mit den stupidogrammen („das dumme bild“), mit denen er 1963 die Galerie von Addi Köpcke füllt. „textfilm (ein brief)“. Beitrag zur Fluxuspublikation Kalenderrolle 61. Artikel über Roths Künstlerbücher von Richard Hamilton in Typographica 3. Herausgabe des Buches You don’t say von Al Copley. Geburt des zweiten Sohnes Björn.
1962
Reykjavík
Die Arbeit an dem Buch Mundunculum beginnt (es erscheint 1967). Roth entwickelt ein Bildalphabet aus 23 Stempeln und verwendet es als Grundmaterial für zahlreiche Bildtexte, Zeichnungen, Assemblagen u. ä., von denen er viele in Mundunculum veröffentlicht. Entwicklung der Konjugationen. Weitere kinetische Objekte (Dreh- und Tonbilder) entstehen. Roth zeigt sein an Tinguely orientiertes Objekt Windharfe, das der aus Metallschrott angefertigt hat, auf einer Ausstellung in Reykjavík. Beiträge zu Kalenderrolle 62, Daily Bul.
1963
Der Drucker und Verleger Hansjörg Mayer besucht Roth in Reykjavík und gewinnt ihn als Autor. Das erste Schimmelbild entsteht: ein Porträt des Schweizer Sammlers und Kunsthändlers Carl Laszlo. Erste Kontakte mit dem Zahnarzt und Sammler Hanns Sohm. Beginn einer langjährigen Kooperation und eines umfangreichen Briefwechsels. Illustrationen in der isländischen Tageszeitung Morgunbladid. Idee: „das negative bild (abblättern, schimmel, kitsch)“. Beiträge zu den Fluxuspublikationen Kalenderrolle 63, V TREE, und An Anthology. Beitrag zu edition originar 1 (erscheint 1965). Gestaltung von Umschlag und Illustrationen zu 4 Leikbaettir von Oddur Björnsson. Geburt der Tochter Vera.
- 1930-1950 Deutschland, Schweiz
Jugend in Hannover, Übersiedlung in die Schweiz, Ausbildung
- 1950-1959 Schweiz, Dänemark, Island
geometrische Arbeiten, orientiert an den „Zürcher Konkreten“, wird Stoffdesigner in Dänemark, erste Filmexperimente und Buchkonzepte, geht nach Island
- 1960-1964 Island
Schmuckdesign, freie Kunst, Architekturmodelle, Arbeit am „Copley-Book“, gründet Möbelgeschäft in Reykjavik
- 1964-1966 USA
Arbeit am „Snow“-Buch in Philadelphia, Lehrauftrag in Providence, Rhode Island, USA, erste Kunstwerke aus organischen Materialien, Arbeit am Buch „Mundunculum“
- 1966-71 Deutschland
Hochphase der Arbeiten aus Lebensmitteln, Gedichtbände „Scheisse“-Zyklus und „Tränenmeer“, weitere Künstlerbücher, große druckgraphische Produktion, Schmuckentwürfe
- 1972-80 Deutschland, Island, Österreich
Malerei und Zeichnung, darunter auch „beidhändige Schnellzeichnungen“, Künstlerbücher, Druckgraphik, gründet „Dieter Roth’s Familienverlag“, später Assemblagen mit gefundenem Material und Abfällen
- 1980-1989 Deutschland, Island, Österreich, Schweiz
Multimediale, installative und biographische Arbeiten: Konzerte, Perfomances, Filme, Projektionen, Bücher und Schallplatten; vertritt die Schweiz auf der Biennale di Venezia 1982
- 1990-1998 Deutschland, Island, Schweiz
eher biographische Arbeiten, publiziert Tagebücher, Videoinstallation „Solo Szenen“ und inszeniert erste von ihm selbst ausgerichtete Retrospektiven, gründet die „Dieter Roth Foundation“ in Hamburg