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1950-1959 Schweiz, Dänemark, Island

1950

Roth erhält Privatunterricht in Lithographie bei Eugen Jordi in Kehrsatz und besucht, zusammen mit Bernhard Luginbühl, Jordis Typographieunterricht in der Gewerbeschule in Bern. Da er nach Abschluß seiner Lehre keine Stelle als Graphiker findet, beginnt er als freier Künstler zu arbeiten. Roths erster Versuch, den Militärdienst zu verweigern, scheitert.

1951

Der Künstler verdient sich seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeiten auf Baustellen. Weitere Aquarelle entstehen. Er trifft Marcel Wyss und Eugen Gomringer. Sie gründen zusammen die Zeitschrift spirale, die von 1953 bis 1964 in neun Ausgaben erscheinen wird.

1952

Reinigen der Jesuitenkirche in Solothurn. In einer Garage entsteht die großformatige, später Solothurner Wandbild genannte Arbeit, die sich seit 1995 im Kunstmuseum in Solothurn befindet. Der Unikatdruck Ex libris Franz entsteht. Der Verweigerung des Militärdienstes aus gesundheitlichen Gründen wird stattgegeben und Roth wird aus der Armee entlassen.

1953

Bern
Roth lebt weiter von Gelegenheitsarbeiten und Dekorationen.
Er fertigt „ausstellungsgrafik“ an. Die erste Nummer der spirale erscheint. Roth trifft Daniel Spoerri, Claus Bremer und Peter Althaus.

1954

Roth schafft seine erste gebackene Plastik, eine Spirale aus Brotteig, als Beitrag für einen Wettbewerb des Graphiker-verbandes. Mit seiner Gestaltung eines Bäckereischaufensters in der Berner Altstadt erringt er den vierten Platz. Erste Experimente mit der Op Art, mit Komplementärkontrasten, reflektiertem und durchfallendem Licht. Roth ist Leiter der Ausstellung Plastik im Freien in Biel. Für den Sohn Claus Bremers konzipiert er das Kinderbuch mit durchlochten Seiten und geometrischen Strukturen (erscheint 1957). Erster Film: licht und schatten auf der treppe am bubenbergrain. Übernahme der Galerie 33 in Bern zusammen mit Rolf Iseli, Peter Meier und Walter Vögeli. Sie zeigt eine permanente Ausstellung der Gruppe. Roth trifft den Kopenhagener Textilproduzenten Percy von Halling-Koch, der sich sehr für Roths konstruktivistische Arbeiten interessiert und der ihn bittet, Entwürfe für Stoffe und Gardinen anzufertigen. Er erhält den Preis der Kiefer-Hablitzel Stiftung für Malerei in Bern.

1955

Kopenhagen
Herstellung von „gebrauchsgrafik“. Percy von Halling-Koch lädt Roth nach Kopenhagen ein, wo er als fester Mitarbeiter bei Unika-Vaev Textilentwürfe anfertigt.

1956

Kopenhagen
Weitere Textilentwürfe. Roth schreibt ideogramme (von der Konkreten Poesie beeinflusste Gedichte), die 1959 erscheinen. Experimente mit Filmen im Super-8 Format: Der Film Aus dem Rückfenster der Straßenbahn zeigt einen Blick aus der Straßenbahn auf die Gleise mit sich um die Horizontale drehender Kamera. Im Fussballstadion mit an einer Schnur um den Kopf geschwungener Kamera heißt ein weiterer Film. Beim dritten Film übermalt der Künstler das Filmmaterial schwarz und bearbeitet es zusätzlich mit einer Lochzange. Beim Abspielen werden immer wieder Farbstückchen abgesprengt, ein Vorgang, der blitzartige Effekte entstehen läßt, die durch die Perforierung verstärkt werden. Roth wirft die Filme kurz darauf weg. Er macht die Bekanntschaft mit Gerhard Rühm. Er erhält für seine Textilentwürfe eine Goldmedaille auf einer Messe in San Francisco.

1957

Reykjavík
Februar: Roth zieht zu Sigri∂ur Björnsdóttir, einer isländischen Studentin, die er während seiner Arbeit für Unika-Vaev kennengelernt hat, nach Reykjavik, wo die beiden heiraten. Roths Arbeitssuche verläuft erfolglos. Der isländische Graphikerverband lehnt seine Aufnahme ab. Die finanzielle Lage der Familie ist schwierig; seine Frau bestreitet den Lebensunterhalt durch Zeichenunterricht. Roth beginnt mit der Anfertigung von Schmuck nach eigenen Entwürfen, den er bei einem Goldschmied ausstellen kann. Farbige Zirkel- und Reissfederzeichnungen sowie Siebdrucke entstehen. Zusammen mit Einar Bragi gründet er den Verlag forlag ed. Publikation von Büchern beider Autoren. Geburt des Sohnes Karl.

1958

Roth arbeitet aushilfsweise bei dem Architekten Gudmund Kirstinsson. Entwurf der Schlitzbücher (erscheinen 1959). Beiträge für material 1 (erscheint 1959) und das neue forum. Dezember: Auf Einladung des Architekten Newcomb Montgomery reist Roth nach Philadelphia an die School of Arts, um sich dort als Lehrer vorzustellen. Das Vorhaben zerschlägt sich jedoch.

1959

New York
An der Yale University tritt er für vier Tage eine Stellung als Visiting Critic an. Er trifft dort Josef Albers. Roth findet Arbeit als Graphiker bei der Geigy Corporation in New York. Die Op-Art Bücher bok 2 und bok 4 entstehen (erscheinen 1960-61). Er trifft Norman Ives. Mai: Rückkehr nach Reykjavík, Kinetische Bilder (Puzzles), konstruktivistische Stempelbilder und kinetische Plastiken entstehen. Publikation eigener Bilder sowie eines Buches von Sigri∂ur Björnsdóttir.

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